Nina C. Grimm – Hätte, müsste, sollte

Einen wunderschönen guten Morgen, ihr #bookies!

Es ist früh, die Sonne geht hier gerade erst auf und es ist ruhig, mein Partner und mein Kleiner schlafen und ich bin wach – das will genutzt werden. Und genau diese Zeit nutze ich tatsächlich, in dem ich euch ein neues Buch empfehlen möchte, das im Grunde genommen gar nicht mehr so neu ist 😉 

Cover und Rezensionsexemplar mit besten Dank an Kösel Verlag und Penguin Randomhouse Verlagsgruppe 

 

Infos zum Buch:

Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Kösel-Verlag; 3. Edition (22. November 2021)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 978-3466311644
Preis: 18,00 € (Taschenbuch) / 4,99 € (eBook)

 

Inhalt:

Kennst du das? Theoretisch weißt du, wie du mit deinem Kind umgehen möchtest: zugewandt, achtsam, bedürfnisorientiert. Du weißt, dass Schimpfen Quatsch ist, Ungeduld nicht weiterhilft und Schreien gar nicht geht. Und doch passiert es dir. Immer wieder, jeden Tag. Nina C. Grimm zeigt, woran unsere guten Ansprüche so oft scheitern und warum es sich lohnt, die Herausforderungen unseres Familienlebens als Einladung zu betrachten. Mit psychologischem Fachwissen und Methoden der Achtsamkeit hilft sie uns, alte Muster zu durchbrechen, Vertrauen in unsere Fähigkeiten als Eltern zurückzugewinnen und unseren Kindern die Hand zu reichen, die sie gerade brauchen. So gelingt Erziehung authentisch und ohne Druck.

 

Worum geht’s hier also? 

Mit Nina C. Grimms Buch “Hätte, müsste, sollte” habt ihr einen Ratgeber in der Hand, aber nicht irgendeinen. Denn Nina ist nicht nur Wissenschaftlerin, Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin in Weiterbildung, sondern auch zweifache Mutter. Sie weiß also, wovon sie spricht und das merkt man auch. Aber schauen wir uns das Buch doch einmal gemeinsam an. 

 

Was sage ich dazu?

Als ich Mutter wurde habe ich mit vielen gerechnet – oder auch nicht. Ich hatte keine Ahnung, was alles auf mich zukommen würde. Natürlich hat man einiges gehört oder gelesen, aber nicht selbst erlebt. Und genau DAS ist der Knackpunkt! In der Theorie hört sich alles einfach an. Wer hat nicht schon mal gutgläubig Ratschläge erteilt, gut gemeinte Ratschläge – und hatte letzten Endes keine Ahnung?

„Wenn ich mal Kinder habe, dann…“, auch diesen Satz habe ich oft gehört und auch selbst ziemlich oft gesagt. 

Wenn ich mal Mutter bin, dann… 

… gehe ich jeden Tag mit meinem Kind spazieren. 

… dann lese ich meinem Kind jeden Tag was vor. 

… dann singe ich Kinderlieder mit meinem Kind und spiele jeden Tag mit ihm.

… dann koche ich jeden Tag frisch. 

… dann mache ich den Brei selbst. 

… dann ist immer Ordnung und alles sauber. 

… dann schläft es mittags im Bett und nachts durch – wohlgemerkt “im Bett”.

Das alles ist reine Utopie.

Denn natürlich kam es anders! 

Und heute weiß ich: Nina, behalte deine Ratschläge für dich. Teile deine Meinung, wenn du danach gefragt wirst. Zu dem: Urteile niemals voreilig und schau erst mal genau hin, was du da eigentlich siehst. 

Die Mütter, die mir jetzt mit Kopfhörern im Ohr beim Spazierengehen begegnen, schaue ich jetzt nicht mehr schief an. Ich weiß, sie brauchen einen Moment für sich, sie müssen abschalten. Sie müssen einfach mal dem entkommen, was sie den ganzen Tag, die ganze Woche über und ja – auch nachts – immer wieder hören: Gequengel, Schreien, Kindergeräusche oder aber auch gut gemeinte Ratschläge von anderen Müttern oder eben Nicht-Müttern. 

Die Mütter, deren Kinder im Geschäft schreien und wegrennen, schaue ich nicht tadelnd an, denn ich weiß, dass genau das durchaus auch mir passieren kann.

Wenn ich ein Kind schreien höre denke ich nicht direkt, was es für eine schlechte Mutter hat, die ja überhaupt nicht danach schaut. Im Gegenteil, ich schaue genauer hin und erkenne, dass vielleicht der Apfel des Kindes falsch geschnitten ist oder aber, dass es gerade gewickelt wird und ihm nichts passiert. 

Nach dieser Lektüre ist mir eins klar geworden: Ich bin keine Rabenmutter – ich bin eine Mutter und ebenfalls ein Mensch.

Und Nina Grimm weist genau darauf hin, denn auch sie ist nicht “nur” Wissenschaftlerin, Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin in Weiterbildung, sondern sie ist vor allem eines: Mutter! Und eben diese Erfahrung lässt sie mit einfließen. Auch Nina zeigt direkt zu Beginn, dass sie nicht “die Weisheit mit Löffeln gefressen hat”, wie es so schön heißt und dass auch sie, die so viel theoretisches Wissen über Erziehung, die Gefühlswelt sowie Wahrnehmung und das Verhalten des Menschen in ihren Studien angesammelt hat, nicht perfekt ist und ebenfalls ein Mensch, dem die ein oder andere Situation durchaus mal entgleiten kann. 

Genau DAS macht sie sehr sympathisch und ist der Unterschied zu anderen Ratgebern, die es zu Genüge da draußen auf dem Buchmarkt gibt und von denen tagtäglich noch viele weitere hinzu kommen. 

Mit Ninas Lektüre komme ich mir das erste mal so vor, als habe ich nicht als Mutter vollends versagt, sondern sehe mich als das, was ich bin: ein Mensch! 

Wie hat Tim Bendzko es in seinem Song so schön ausgedrückt?

“(…) Ich bin doch keine Maschine
Ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut
Und ich will leben, bis zum letzten Atemzug
Ich bin ein Mensch mit all meinen Fehlern
Meiner Wut und der Euphorie
Bin keine Maschine
Ich leb’ von Luft und Fantasie.”

Und genau DAS fühle ich auch. Ich bin keine Maschine, ich kann nicht immer nur tagein, tagaus funktionieren und alles perfekt machen. Auch ich bin ein Mensch und auch ich mache Fehler und die gestehe ich mir ein. Meine Fehler machen mich nicht zu einer Rabenmutter, zu einer Mutter, die ihr Kind nicht liebt, sondern zu einer Mutter, die ebenfalls Mensch ist und nicht “nur” Mutter und die auch lebt. 

In dieser Rezension findet man von mir etwas, was ich selten nutze – vielleicht ist es dir schon aufgefallen. Ich spreche von der Autorin als “Nina” und das nicht wegen der Namensgleichheit, sondern weil ich mich ihr verbunden fühle, weil es sich bei der Lektüre ihres Buches so angefühlt hat, als würde man mit einer guten Freundin bei einer Tasse Kaffee über all das reden, was einen als Mutter belastet. Fernab von Urteilen, Verurteilung und Selbstgeißelung durch den eigenen inneren Kritiker. Nina Grimm ist für mich durch die Lektüre zu einer Freundin geworden und hat mir gezeigt, dass ich mich nicht zu schämen brauche, wenn ich in die ein oder andere Erziehungsfalle tappe.

Und eben diese (Lese-)Erfahrung macht dieses Buch nicht zu einem weiteren x-beliebigen Ratgeber, den man in der Buchhandlung zwischen vielen weiteren findet, sondern zu einem Buch, das ich von Herzen empfehlen kann und zwar…

  • den Mamas da draußen, die tagtäglich an sich zweifeln, wenn sie mal die Contenance verlieren und mal lauter werden.
  • den Mamas da draußen, die sich auf die Toilette zurückziehen und länger als nötig dort verweilen, um mal ihre Ruhe zu haben. 
  • den Mamas da draußen, die sich gut gemeinte Ratschläge anhören und sich dabei noch schlechter fühlen. 
  • den Mamas da draußen, die jeden Tag mit sich und ihrem inneren Kritiker kämpfen müssen, um nicht vollends der Einsicht zu verfallen, dass sie “schlechte” Mütter sind und total ungeeignet, ein Kind zu erziehen. 
  • den Mamas da draußen, die auch mal in Tränen ausbrechen und nicht weiter wissen und das vor ihrem Kind. 
  • den Mamas da draußen, die mit Kopfhörern in den Ohren Spazierengehen. 
  • den Mamas da draußen, die stoisch ihren Einkauf fortsetzen, obwohl ihr Kind einen Wutanfall deluxe erlebt und wie am Spieß schreit und gefühlt den ganzen Laden auseinander nimmt. 
  • den Mamas da draußen, die ihr Kind in der Kita oder dem Kita abgeben und dabei keine Tränen der Trauer verdrücken, sondern der Freude, weil sie jetzt mal Zeit für sich haben. 

Und noch so vielen weiteren. Euch allen empfehle ich Ninas Buch aus tiefstem Herzen. Seht euch als das, was ihr seid: Menschen, die ebenfalls Gefühle haben und keine Maschinen sind. 

 

 

Meine Bewertung: 

 

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